“Bands im Social Web” mit dem John Lennon Talent Award

Es gibt eine Menge Bandwettbewerbe in Deutschland. Meist stehen Sachpreise im Vordergrund und die Förderung gerät ins Abseits. Anders ist es beim John Lennon Talent Award (JLTA). Mit Genehmigung von Yoko Ono wird dieser seit 1991 veranstaltet. Gefördert werden junge Nachwuchsmusiker aus ganz Deutschland und das mindestens über ein Jahr. Das Förderungskonzept wurde im September 2009 mit dem Deutschen Kulturförderpreis ausgezeichnet. Daniel Szewczyk ist freier Mitarbeiter der JLTA-Redaktion und berichtet in einem kurzen Interview für die Themenreihe „Bands im Social Web“ über eigene Erfahrungswerte und Hinweise, die Bands bei ihren Social Media Aktivitäten berücksichtigen sollten.

Daniel, welche Social Media Kanäle nutzt ihr derzeit?

Social Media Kanäle: Facebook, YouTube, Twitter, Myspace (die Fortführung der beiden letzten Kanäle stehen in Kürze auf dem Prüfstand)

Wie viel Personal und Zeit investiert Ihr derzeit in eure Social Media Aktivitäten?

Es gibt eine feste Stelle, die den gesamten Bereich John Lennon Talent Award (Förderprogramm und Coaching, Marketing, Events, Kooperationen) und einen Kreis von freien Mitarbeitern koordiniert. Davon kümmern sich 2-3 Personen abwechselnd und stundenweise um die Social Media Kanäle.

Was geschieht vor der Veröffentlichung eurer Beiträge in der Redaktion? Gibt es Redaktionssitzungen, Themenplanungen oder Abstimmungsprozesse?

Inhaltlicher Schwerpunkt liegt auf den Künstlern, die wir fördern oder gefördert haben: Themen und Neuigkeiten ergeben sich aus der Beobachtung bzw. Inhalte, die uns erreichen – ein stetiges Fluss, der gesichtet und verarbeitet wird. Zusätzlich gibt es Anlässe aus der Förderarbeit sowie feste Termine, die wir in einem Redaktionsplan berücksichtigen und zu gegebener Zeit verarbeiten. Großer Abstimmungsbedarf im Team besteht nicht, da wir gut eingespielt sind. Von Zeit zu Zeit setzen wir uns aber mal zusammen, auch, um auf neue Ideen zu kommen.

Welche Erfahrungen habt ihr mit Facebook-Anzeigen gemacht? Welches Anzeigenformat würdet ihr empfehlen?

Bisher kaum welche, wir probieren sie anlässlich unserer Live Contests gerade aus: „Page Post Photo/Video Ads“ und „Page Post Like Sponsored Stories“ scheinen ganz gut zu funktionieren.

Haltet ihr euch bei euren Postings an bestimmte Uhrzeiten/Wochentage? Wie sind eure Erfahrungswerte?

Donnerstags, freitags, sonntags sowie montags sind ganz gute Tage, mittags (12 – 14 Uhr) und abends (19 / 20 Uhr).

Führt Ihr ein Social Media Monitoring durch? Welche Tools nutzt Ihr dafür?

Nur rudimentär. Wir nutzen ein Zusatzangebot unseres Ausschnittdienstes. Ansonsten greifen wir auf frei verfügbare Dinge wie etwa das Facebook-interne Monitoring-Tool zurück.

Unsere Werbemaßnahmen werden von einer Agentur begleitet. Sie stellt uns quantitative Auswertungen zur Verfügung.

Wie wichtig ist ein guter Social Media Auftritt für Newcomerbands?

Aus unserer Sicht nahezu unverzichtbar, weil wir den engen Kontakt zu den Fans für sehr wichtig halten. Social Media ist da ein Mittel der Wahl.

 Welche Kanäle sollten Newcomerbands umbedingt bespielen? Habt ihr schon Erfahrungen mit Backstage Pro, dem sozialen Netzwerk für Bands gemacht?

Man sollte schauen, dass man nicht zuviel macht: Achtung, Zeitfresser! Facebook (mit dem ergänzenden Baustein Youtube) ist ein Muss, bei Bedarf kann man noch Soundcloud als weiteren Baustein einbinden. Alles andere muss man nach seinen Vorlieben auswählen: Sinn machen können z. B. die Community Radios (Fritz Radio, MDR Sputnik, You FM und Unser Ding), bei denen man nur bei einem Sender ein Profil mit Songmaterial in sendefähigem Format anlegen muss und dieses von den anderen Sendern übernommen wird. Twitter dagegen ist nur was für Leute, die das wirklich gern, exzessiv und virtuos tun.

regioactive halten wir schon für interessant, mit backstage pro haben wir wenig bis keine Erfahrungen. Die Macher scheinen sich Mühe zu geben, interessante Inhalte auf die Seite zu holen. Rückmeldungen von Bands haben wir aber bisher nicht.

Was sollten Newcomerbands in Bezug auf Videos und Soundfiles bei ihren Aktivitäten rechtlich unbedingt beachten?

Wer vertraglich nicht gebunden ist, muss in Bezug auf sein eigenes Material, das er in Social Media-Kanälen veröffentlichen will, nicht allzu viel beachten und kann weitestgehend tun, was er möchte. Hat er jedoch Bindungen an ein Label, einen Verlag etc. muss er ggf. mit den Vertragspartnern vor einer Veröffentlichung Rücksprache halten.

Man sollte sich auch darüber klar sein, dass die AGBs von Facebook (Sitz in den USA) nicht automatisch deckungsgleich mit deutschem Recht sind. Das kann Auswirkungen auf einen selbst, aber auch auf andere haben. Überhaupt sollte man mit den Rechten anderer nicht sorglos umgehen (Recht am eigenen Bild, Urheberrecht…). Da sich viel verändert, empfiehlt es sich, auch in Sachen Online-Recht Augen und Ohren aufzuhalten, um halbwegs auf dem Laufenden zu bleiben.

Gibt es Stolperfallen, von denen Bands immer wieder berichten?

Nicht direkt, aber vielleicht einfach daran denken, dass etwas einmal Veröffentlichtes wohl ewig im Netz und damit auffindbar bleibt, selbst wenn man es löscht.

Welchen Bestandteil hat Social Media für das Booking einer Band?

Neben der Tatsache, dass es in diesem Zusammenhang generell nicht schadet, vernetzt und präsent zu sein mit Website, Facebook und Youtube, können sich Veranstalter einen ersten Eindruck vom Act verschaffen durch authentisches Foto- und Filmmaterial. Sicherlich werden auch (mehr oder weniger gerechtfertigte) Rückschlüsse daraus gezogen, wie viele Freunde eine Band hat bzw. wie viele Aufrufe ein Beitrag. Es kann auch ein Eindruck darüber entstehen, wie intensiv der Austausch zwischen Seitenbesuchern und Band ist und ob die Band gute Fanarbeit leistet. Ein Veranstalter wünscht sich ja in der Regel Bands, deren Konzerte gut besucht werden.

Welche Qualität sollte das Bildmaterial haben? Hochglanz vs. Schnappschuss?

Für den täglichen Dialog reicht charmantes  Schnappschuss-Material, da es schneller und kostengünstig zu produzieren ist und authentisch wirkt.  Auf der Website sollte allerdings printfähiges Pressematerial zu finden sein mit dem Hinweis, dass man es auch benutzen darf. Idealerweise liegt das Material in einem entsprechend bezeichneten Pressebereich).

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