„Bands im Social Web“ mit Britta Helm (Visions)

„Bands im Social Web“ mit Britta Helm (Visions)

„Einfach nur dumme Kommentare regeln die Leser meist untereinander“

Das Dortmunder Musikmagazin „Visions“ startete 1989 ursprünglich als Fanzine mit einer Auflage von 300 Exemplaren. Inzwischen hat sich die Auflage mehr als verzehnfacht, und neben dem Magazin sind insbesondere die bundesweiten Parties und Konzerte dem musikaffinen Volk ein Begriff. Der Onlinebereich der „Visions“ hat seit Jahren einen hohen Stellewert. Neben umfangreichen Tourberichten und Rezensionen gibt es hier auch einen Communitybereich mit exklusiven Informationen und diversen Specials. Mit dem Flash-E-Paper „Visions Weekly“ ging das Magazin schon 2006 einen sehr zeitgeistorientierten und innovativen Weg, um den Print-Leser auch online stärker einzubinden. Mit derzeit knapp 15.000 Facebook-Fans, 5.900 Twitter-Followern und 994 Anhängern auf Instagram gehört die „Visions“ zu den Musikmagazinen, die das Social Web von den ersten Beginnen bei „Myspace“ für sich zu nutzen weiß und inzwischen fest etabliert hat.

Britta Helm ist leitende Online-Redakteurin. Sie ist mitverantwortlich für die Inhalte der Website und für die Social Media Kommunikation. Ich freue mich, dass Britta sich Zeit genommen hat, ein paar Fragen zu den Social Media Aktivitäten rundum das „Visions“-Magazin zu beantworten.

Aktuell nutzt Ihr als soziale Netzwerke Facebook, Twitter, YouTube, Google+ und Instagram. Habt Ihr hier Prioritäten gesetzt? Sind andere in Planungen?

Wir sind überall da, wo wir es für sinnvoll halten. Inzwischen also auch wieder ein bisschen aktiver bei Myspace. Bei Facebook passiert sicher am meisten, auch was das Feedback der Leser angeht, Youtube nutzen wir natürlich vor allem, um Videos hochzuladen (und sie anschließend z.B. über Facebook zu verbreiten), bei Twitter posten wir vor allem die News von unserer Seite, Instagram ist für Schnappschüsse (z.B. jeden Monat die Wand mit den ausgedruckten Fahnen, kurz bevor das Heft in Druck geht), das ist aber auch mit Facebook verlinkt.

Habt Ihr zu Beginn Fehler gemacht, vor denen Ihr andere warnen würdet?

Schwer zu sagen, wo der Beginn ist. Wir hatten eine Zeitlang ein E-Paper, das wir aber einstellen mussten, weil wir wohl ein paar Jahre zu früh dran waren. Das war aber trotzdem nicht unbedingt ein Fehler. Ansonsten kann man im Internet ja glücklicherweise viel ausprobieren und daraus lernen.

Wieviel Personal und Zeit investiert Ihr derzeit in Eure Social Media Aktivitäten?

Unsere Online-Redaktion besteht aus zwei Redakteur_innen und drei Praktikant_innen, die alle parallel auch in der Printredaktion arbeiten. Zeitlich ist das deshalb schwer zu beziffern, aber ein großer Teil des Arbeitstages ist schon für Online-Aktivitäten reserviert.

Was geschieht vor der Veröffentlichung Eurer Beiträge in der Redaktion? Gibt es Redaktionssitzungen, Themenplanungen oder Abstimmungsprozesse?

Es gibt jeden Morgen eine Online-Redaktionssitzung per E- mail, zu der auch alle Printredakteure Themen aus ihren Ressorts beisteuern. Gewichtet und organisiert wird dann von der Onlineredaktion.

Gibt es bestimmte Zuständigkeiten? „XY macht Fotos, ABC ist für Videos zuständig“ etc…

Wir haben eine Fotoredakteurin, die uns fehlende Bilder organisiert, ansonsten machen aber alle alles.

Gibt es für die Beteiligten Guidelines/Richtlinien?

Es gibt Schreibrichtlinien, sowohl was Formate betrifft (also wie wir eine Meldung aufbauen) als auch zu Schreibweisen (z.B. schreiben wir „HipHop“ genau so und niemals „Schießbude“ statt „Schlagzeug“).

Die Visions-Website wird redaktionell mit Konzertankündigungen, Berichten und Neuigkeiten gefüllt. Wie nutzt Ihr diese Inhalte für Eure Social Media Aktivitäten?

Wir verlinken alles bei Facebook und Twitter und bekommen darüber auch umgekehrt immer wieder Anfragen und Tipps, die wir für die Seite nutzen können.

Gewinnt Ihr neue Websitebesucher durch diese Aktivitäten hinzu, oder verteilen sich jetzt die Besucher über Website, Facebook, Twitter etc.?

Auch das ist nicht genau zu beziffern, aber wir merken schon, dass Leute z.B. über Facebook auf unsere Seite klicken. Die kannten die aber meist auch schon vorher.

Achtet Ihr bei der Veröffentlichung Eurer Posts und Tweets auf Uhrzeiten oder Wochentage? Gibt es Erfahrungswerte, die Ihr für Euch strategisch nutzt?

Grundsätzlich passiert bei uns das allermeiste unter der Woche zwischen 10 und 18 Uhr. Das ließe sich natürlich ausweiten, aber wir haben nicht die Kapazitäten für eine 24-Stunden-Berichterstattung und glauben auch nicht, dass unsere Leser das von uns erwarten. Vieles, was in den USA über Nacht passiert, passiert bei uns also morgens. Wir versuchen trotzdem, möglichst aktuell zu sein, aber trotzdem nicht zehn News innerhalb von zwei Minuten rauszuhauen. Wobei wir sowieso nicht zehn News in zwei Minuten schreiben können.

Wie sind Eure Erfahrungen mit den Facebook-Apps – beispielsweise „Platte der Woche“? Werden sie häufig von Euren Fans genutzt?

Das Feedback ist ganz gut, da können wir aber sicher noch mehr machen.

Wie sind Eure Erfahrungen mit den Facebook-Veranstaltungen? Welchen Einfluss haben diese für Euch auf das Ticketing?

Die laufen gut. Auch da lässt sich wieder schwer sagen, wie genau Leute zum Kartenkauf kommen, und oft sind Facebook-Veranstaltungen ja auch ein bisschen chaotisch (wenn z.B. eine Band ihre ganze Tour als Veranstaltung anlegt, wir dann noch mal unser Konzert extra und dann vielleicht der Club auch noch mal), aber wir können uns nicht beklagen.

Wisst Ihr noch, welches Posting auf Facebook am beliebtesten war?

Ganz spontan: In den letzten paar Monaten sicher die, dass Jupiter Jones sich gegen Freiwild aussprechen.

Screenshot/Quelle: www.facebook.com/Visions-Magazin // Zum Artikel auf visions.de

Wie nutzt Ihr für Euch Twitter? Warum seid Ihr so sparsam mit Hashtags?

Das läuft momentan vor allem automatisch, da ginge sicher noch mehr, auch mit Hashtags.

Werden die Videos auf YouTube von Euch gedreht oder von den Bands bereitgestellt?

Die drehen wir selbst.

Gibt es NoGos für Fotos auf Instagram?

Eigentlich nicht. Das läuft meist viel spontaner als z.B. unsere Seite oder Facebook, deshalb passiert da auch ein bisschen mehr Quatsch, aber das hält sich im Rahmen.

Mitarbeiter sind kaum zu sehen. Ist das Absicht?

Wir sind sicher keine Redaktion, die vorrangig über Persönlichkeiten funktioniert, wir halten uns lieber an Inhalte. Trotzdem versuchen wir, für die Leser sichtbar zu sein. Das ist aber von den eigentlichen News eher getrennt.

Führt Ihr ein Social Media Monitoring durch? Welche Tools nutzt Ihr dafür?

Nein. Wir gucken überall rein, das hat aber keinen Plan und kein System. 🙂

Welche Bands haben für Euch den besten Social Media Auftritt? Wem folgt Ihr selber gerne, bzw. wer ist besonders unterhaltsam?

Kate Nash und Amanda Palmer schaffen es super, auf DIY-Art mit ihren Fans in Verbindung zu bleiben. Aktuell ist Dave Grohl mit seinem Sound-City-Projekt sehr aktiv und postet dabei auch immer wieder originelle Fotos. Ähnlich ist es bei Tegan And Sara. Und Leute wie Casper und Cro bekommen die Mischung aus persönlich und professionell auch ziemlich gut hin.

Welche Tipps würdet Ihr Bands mit auf dem Weg geben, die Schwierigkeiten haben, soziale Netzwerke mit unterhaltsamen Themen zu bespielen?

Das muss trotz allem niemand. Lieber informativ als lustig sein, wenn einem Letzteres nicht liegt.

Hattet Ihr schon einmal Probleme mit Trolls? Wie habt Ihr diese gelöst?

Wir haben eher mal vereinzelte dumme Kommentare. Rassistische, sexistische, homophobe oder sonstwie diskriminierende werden gelöscht, einfach nur dumme regeln die Leser meist untereinander.

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