Digitale Augenhöhe

 

Digitale Augenhöhe –

Über Sinn und Unsinn von Erwartungen

an einen Social Media Manager

Machte sich die W&V zum 1. April 2011 noch den Spaß, dass der Titel „Social Media Experte“ jetzt ein geschützter Begriff sei, folgte kurz darauf die nächste Meldung: „Kein Witz! IHK bildet Social-Media-Experten aus“. Ein kleiner Aufschrei hallte dazu im Mai 2011 durch das Web. Das ginge doch gar nicht, wer denn bei so etwas mitmachen würde, was es denn überhaupt für Inhalte gäbe, weil so etwas nur durch eigene Erfahrungen erlernt und verinnerlicht werden könne. Da ist natürlich etwas dran. Ein Abschluss als „Social Media Manager IHK“ in einem Zertifikatslehrgang ist längst nicht gleichzusetzen mit einem erfahrenen Profi, der diesen Bereich schon lange bearbeitet. Aber das hat doch auch niemand behauptet. Es kommen nach dem Kurs weder Experten noch Berater aus der Lehrgangstür spaziert. Meine persönliche Meinung ist ebenfalls, dass ich bei einer Neuanstellung in diesem Bereich eher auf Projekterfahrung und Expertise achte als auf ein Zertifikat. Was jedoch in der Praxis eigentlich nichts Neues ist. Es ist meiner Meinung nach extrem wichtig, die Erwartungen an entsprechende Abschlüsse zu prüfen. Und dies aus Arbeitgeber-, Freelancer- oder Arbeitnehmerbrille.

2010 erarbeiteten in einer bundesweiten Aktion einige IHK gemeinsam mit Marketing- und Kommunikationsfachleuten sowie der LVQ und mir als Kooperationspartner ein Konzept für diese Weiterbildung. Im Juni 2011 bildete ich dann mit der LVQ bundesweit die ersten Social Media Manager IHK aus. Es hat großen Spaß gemacht, im Vorfeld zu definieren, welche Lehrgangsinhalte unbedingt vermittelt werden sollten und wie der jeweilige Schwerpunkt in den einzelnen Themenbereichen – Netzwerke, Content-Produktion oder Monitoring – gesetzt ist. Es war und ist mir wichtig, ein Format zu schaffen, das praxisnah ist und über das Basiswissen hinaus auch einen sehr konzeptionellen Ansatz verfolgt. In der Praxis fehlt es nämlich leider sehr vielen Mitarbeitern in der Online-Kommunikation an Grundwissen und eigenen Erfahrungen. Es ist und bleibt auch in 2013 in den meisten KMU so, dass der Social-Media-Hut jemandem aufgesetzt wird, der nicht immer für diesen Bereich geeignet ist oder entsprechendes Know-how mitbringt. Daher halte ich Seminare, die sich mit den Grundlagen der Online-Kommunikation, Kommunikationskonzepten, Recht und technischen Komponenten beschäftigen, natürlich für sinnvoll. Alleine schon, um eine Art „Digitale Augenhöhe“ zu schaffen.

Es gilt zu unterscheiden: Mitarbeiter vs. Profi

Nicht jeder Mitarbeiter zum Beispiel im Bereich Marketing-Kommunikation muss gleich ein Social Media Experte sein. Das ist eine wunderbare Vorstellung, aber von der Realität so weit entfernt wie Deutschlehrer, die alle geniale Schriftsteller oder Poeten sind. Denn genau hier kommen doch eigentlich die Profis, Experten sowie sehr gute Generalisten ins Spiel. Diese implementieren Wissen, helfen bei der Erarbeitung strategischer Prozesse und unterstützen in der praktischen Umsetzung. Damit haben sie in den nächsten Jahren eine hervorragende Ausgangssituation. Und ich denke, auch hier ist es ähnlich wie bei sehr guten Freelancern, beispielsweise in der Programmierung: Für viele ist es häufig nicht lukrativ, als kreativer, offener und neugieriger Experte in einem Bereich/Unternehmen zu arbeiten und dabei nur in einem Themenumfeld zu „leben“. Sie möchten vielmehr über den Tellerrand schauen und weitere Erfahrungen sammeln, die sie brauchen, um ihre Reputation auch tatsächlich zu halten und zu bestätigen. Sie begreifen Marketing, PR etc. als lebenslanges Lernen. Am Ende ist es aber nichts Neues und wie in allen Berufen: Expertise zahlt sich aus.

Effizienter arbeiten ist schon praktisch, oder?

Als Agentur (reviergold Kommunikation) beraten wir Unternehmen bei der strategischen Ausrichtung, führen Audits & Erfolgskontrollen durch, setzen gezielte Maßnahmen um, leiten Projektworkshops oder entsprechende Intensivseminare und unterstützen so langfristig den Aufbau und die Durchführung erfolgreicher Online-Kommunikation. Auf digitaler Augenhöhe geht das alles natürlich flotter und effizienter. Ein Basisseminar zum Thema „Social Media“ kann dabei ein erster Schritt oder eine Grundlage sein, die Mitarbeiter weiterzubilden und ihnen das nötige Handwerk zu vermitteln.

Ab hier dreht es sich dann wieder im Kreis.

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