„Bands im Social Web“: Die subversive Susanne Blech

http://sphotos-b.xx.fbcdn.net/hphotos-ash4/c0.134.851.315/p851x315/415457_10150962524000670_516858033_o.jpg

‚Guten Tag, Timon Karl Kaleyta, Waffenlobbyist!‘

2012 feierte Susanne Blech 10-jähriges Bandbestehen. Es war ein gutes Jahr. Mit „Triumph der Maschine“ kam das zweite Album der Band. Im Social Web hat Sänger Timon Karl Kaleyta der Band einen eigenen Sprachstil gegeben – seinen: Laut, provokativ und am Dialog interessiert. Was auf so manchen verstörend wirkt, ist jedenfalls eines nicht: langweilig. Timon: „Wenn ich in Situationen bin, in denen ich neuen Menschen vorgestellt werde, gebe ich häufig die Hand und sage: ‚Guten Tag, Timon Karl Kaleyta, Waffenlobbyist!‘ … Und man glaubt es kaum – manchmal wird es dann richtig spannend.“ Für die Themenreihe „Bands im Social Web“ hat sich Timon Zeit genommen und ein paar Fragen zur Online-Kommunikation der Band beantwortet. Die findet derzeit zu meist auf Facebook statt:

Welche Social Media-Plattformen bespielt ihr derzeit? Und mit welcher Aktivität?

In den vergangenen zwei Jahren haben wir tatsächlich ausschließlich mit Facebook gearbeitet – dies jedoch über die Maßen des noch Erträglichen weit hinaus. Ich bekomme regelmäßig Ärger von unserem Manager, ich solle mich endlich auch um Twitter und dieses fürchterliche Instagram kümmern, aber das schaffe ich nervlich einfach nicht. Ich fürchte, ich muss einen gut aussehenden Italiener einstellen, der das künftig für mich erledigt.

Welche Erfahrung habt ihr mit SoundCloud gesammelt?

Ich persönlich – also derjenige, der für 99% aller Posts bei Facebook verantwortlich ist – überhaupt keine. Ach, noch so eine Baustelle. Muss man da auch stattfinden? Ich dachte in meiner grenzenlosen Naivität bislang immer, da würden nur so DJs aus Saarbrücken ihre Mixe hochladen, nein?

Ihr habt bei Twitter mit nur 5 Tweets bereits über 100 Follower. Warum nutzt ihr diesen Kanal nicht besser?

Haha, das ist gut. Ich frage mich immer, was ich da schreiben soll – reichen 5 Tweets denn nicht? Ich bin aber auch irgendwie seltsam, denn so ganz hat sich mir die Funktionsweise von Twitter noch nicht erschlossen.

Wie stark nutzt ihr eure Website?

Also die Website hat natürlich in puncto Kommunikation nur noch eine repräsentative Funktion. Muss man irgendwie haben, sollte mindestens drei Farben darstellen können und einmal pro Monat aktualisiert werden. Falls nicht, fällt es niemandem auf. Das Phantom des Internets.

Wer betreut bei euch Facebook? Bzw. wer schreibt die Posts?

Alle ich. Weil ich finde, dass ich der Witzigste und Schlauste bin.

 

Werden die Beiträge vorher von der Band freigegeben?

Nein, die Band hat da genau genommen kein Mitspracherecht in diesen Dingen, fordert dies aber auch gar nicht ein. Eine Band ist wie ein mittelmäßig geführtes Unternehmen, einer muss wissen, wohin es gehen soll, auch wenn die Richtung grob falsch ist. Basisdemokratie führt niemals zum gewünschten Ziel, wie man ja auch an der Urwahl der Grünen neulich sehen konnte. Ich mag auch keine Bands, die immer alles mit allen abstimmen wollen – meiner Erfahrung nach sind das die ersten, die sich trennen. Oder aber die letzten, das kann natürlich auch sein.

Eure Posts polarisieren und provozieren. Warum?

Ich kann beteuern, dass das auf keinen Fall Mittel zum Zweck ist, noch nicht einmal geplant. Ich weiß auch nicht, wie das alles so funktioniert mit der Welt, was das alles bedeutet. Menschen, die sich bei irgendwas total sicher sind, machen mir immer Angst. Ich kann nur sagen, mich langweilt alles so schnell. Ich kann Unterhaltungen, die zu nichts führen, in denen keine neuartigen Gedanken formuliert werden oder zumindest keine steilen Thesen aufgestellt werden, nicht aushalten. In solchen Situationen – also im echten Leben beispielsweise – verschwinde ich im besten Fall immer sofort oder werde (leider im Normalfall) sehr laut und gemein und grätsche rein, wo es nur geht, was dann sehr unangenehm für alle meine Mitmenschen ist und für mich mit Reputationsverlust endet. Ich habe Probleme im sozialen Umgang, weil ich immer will, dass etwas passiert. Also inhaltlich.

Ist es schwer, regelmäßig Posts zu schreiben, die andere abwerten?

Ist das denn so, dass andere abgewertet werden? Also grundsätzlich ist es ja so: wer sich mit einer Äußerung oder irgendeinem Akt in die Öffentlichkeit wagt, der muss damit rechnen, dass er negative Kritik bekommt. Das ist als Band dann natürlich ebenfalls so, auch wenn ich persönlich irrsinnig unter Verrissen leide und dann mindestens einen Tag emotional komplett ruiniert bin. Aber ich empfinde das auch gar nicht so, dass ich immer nur schreibe wie scheiße alles andere ist. Wie soll man denn bitte einzelne Dinge und Menschen ganz und gar aus vollem Herzen lieben und bewundern, wenn man nicht 98% alles Übrigen abgrundtief verachtet. Dieser immer voll verklemmte Distinktionsdrang ist doch so banal wie konstitutiv für jeden – aber ich denke auch, dass viele das für sich selbst gar nicht so einschätzen, ich schon. Und eine christliche Menschenliebe, die auf Voraussetzungslosigkeit beruht, halte ich für genau so naiv und verlogen wie Entwicklungshelfer mit Diplomatenpass und Mercedes Wolf.

Provokation als Stilmittel bei Susanne Blech. Kann man das so sagen?

Ich würde es so sagen: Interessant sind überall und in jedem gesellschaftlichen Teilbereich nur Aussagen, die den Diskurs stören. Da, wo der Diskurs ungebremst reüssiert, kann man auch Bücher von Paulo Coelho lesen. Komisch, mein Hass auf diesen Scharlatan nimmt mit den Jahren eigentlich nur zu, obwohl der Typ mir doch komplett egal sein könnte. Ich will überhaupt nicht provozieren, obwohl, vielleicht stimmt das auch nicht. Ich kann Floskeln nicht ertragen, Geburtstagswünsche und Redewendungen, die zu nichts führen. Wenn ich in Situationen bin, in denen ich neuen Menschen vorgestellt werde, gebe ich häufig die Hand und sage: ‚Guten Tag, Timon Karl Kaleyta, Waffenlobbyist!‘ Oft auch noch viel Drastischeres, das ich jetzt aber nicht sagen mag, damit ich damit (zumindest noch nicht) öffentlich assoziiert werde. Das ist natürlich irrsinnig primitiv, aber mich interessiert, was dann passiert. Und – man glaubt es kaum – manchmal wird es dann richtig spannend.

Gibt es Menschen, die diese Ironie nicht verstehen?

Ja, es gibt sehr viele Menschen, die diese Art des Umgangs überhaupt nicht nachvollziehen können. Vermutlich haben sie sogar alle recht, und ich bin komplett auf dem falschen Weg. Aber es ist eben genau so, wie es Antonia Baum einmal in der FAS mit dem Begriff ‚Ironie-Hölle‘ beschrieb. Ist man da einmal drin, gibt es keinen Weg hinter diesen Ereignishorizont zurück. Es ist wie mit dem Glauben – ich könnte ja niemals mehr an einen Gott glauben, diesen Grad an Naivität und Realitätsleugnung, der als Kind ja durchaus locker drin ist, kann ich unmöglich noch einmal erreichen. Ich hoffe, das bleibt auch im Falle einer schlimmen Krankheit so.

Gab es schon einmal Beschwerde bzw. musste schon einmal ein Post rausgenommen?

Beschwerden gab es sehr sehr viele. Rausgenommen habe ich aber noch nie etwas. Ich liege aber natürlich auch sehr oft daneben mit meinen Deutungen, das ist ja vollkommen klar. Manchmal denke ich, so, jetzt weiß ich es genau, da bin ich mir jetzt sicher, das muss ich jetzt sofort sagen. Und eine Woche später ärgere ich mich sehr über meinen Stumpfsinn. Ich kann mich eigentlich rückblickend immer nur höchstens ein halbes Jahr in meinen Handlungen akzeptieren. Danach denke ich immer: wie dumm kann man eigentlich sein?

Wie viel Zeit verbringt ihr mit dem Redaktionieren und Kommentieren auf der Facebook-Page?

Das hängt natürlich von der Dichte der Ereignisse ab. Wenn gerade viel passiert mit der Band, insbesondere im Sommer während der Festvials, dann bin ich meist ganze Tage davor und muss hunderte von Fragen und Posts beantworten – was ich auch immer getan habe. Jetzt gerade sind wir im Studio, produzieren intensiv das neue Album und sind mit unserem neuen Management in intensiven Gesprächen mit Partnern aller Art für das kommende Jahr. Da lasse ich Facebook mal ein wenig bei sich ruhen. Man sollte nie etwas um des Posts selbst willen posten. Dann ist es schon zu spät.

Behaltet ihr Kommentare von euren Fans im Auge?

Mir ist nicht ganz klar, was das bedeuten soll. Ich bin in jedem Falle nicht kritikresistent. Ich höre mir genau an, wenn irgendjemand irgendetwas an mir oder der Band kritisiert und frage mich, ob das stimmt. Wie gesagt, ich möchte Teil einer großartigen und einzigartigen Band sein, das heißt auch, dass man sich immer selbst hinterfragen muss, ob man auf dem richtigen Weg ist. Ich bin überhaupt kein Idealist, ich mag Idealismus nicht, weil er meiner Meinung nach Problemlösungen in allen Lebensbereichen erschwert und zu keinem Realismus führt, den ich sehr schätze.

Wie wichtig ist euch der Dialog?

Noch sehr wichtig. Meine Standardantwort an Fans zu diesem Thema aber lautet auch: Macht euch keine Illusionen, sollten wir messbar großen Erfolg haben, werden wir uns hier natürlich persönlich nur noch zu Marketingzwecken blicken lassen. Ich finde, so muss man das machen. Kann aber auch falsch sein.

Wird das manchmal anstrengend, wenn man immer wieder auf die Verwunderung der Fans bzgl. eurer Provokation eingehen muss, oder macht das Spaß?

Das ist eine Frage, die ich gar nicht beantworten kann. Wie gesagt, es gibt für mich keine Alternative zu der Form, diese Band zu führen, als eben diese. Alles andere bin nicht ich, ich kann auch nicht auf die Bühne gehen und den Leuten sagen: ihr seid die Schönsten, Besten, Klügsten, wir lieben euch, eure Leben sind toll. Ich bringe so etwas nicht übers Herz, ich kann das nicht. Oft wird mir gesagt, ich sei zu glatt, kann sein. Sich gemein machen mit Leuten, von denen man ja was will, das finde ich aber nicht angebracht. Wir wollen ja was von denen, nämlich dass die uns gut finden und zu unseren Konzerten kommen. Dafür aber werde ich niemandem irgendwelche halbwahren Schmeicheleien auftischen. Im Gegenzug bekommt man von uns aber auf der Bühne ALLES, was wir zu bieten haben und machen uns dafür komplett kaputt. Ausnahmslos bei jeder Show. Das ist mein Angebot.

Welche Erfahrung habt ihr mit der FB-App „BandPage“ gemacht? Wird die genutzt?

Diese sogenannte BandPage-App ist sehr schlecht programmiert, sehr unhandlich, über die Maßen hässlich und ist daher in den allermeisten Fällen unbedingt abzulehnen.

 

Timon-Karl Kayeta über Susanne Blech Facebook-Posts

Da waren wir gerade vor ein paar Wochen im Studio und arbeiteten an einem Song für das neue Album: Ja, keine Ahnung, was soll man denn sonst dazu schreiben? ‚Hier nehmen wir gerade einen neuen Song auf. Das hier ist unser Gitarrist Jens Schilling. Bitte findet uns gut!‘? Ich weißt nicht. Die FDP finde ich einfach als Grundansatz witzig, und Vize-Kanzler Rösler ist jawohl auch ein Knaller, keine Ahnung – ich finde, das ergibt durchaus Sinn.

 

Ja gut, also ich finde Aussehen ja wahnsinnig wichtig. Das heißt nicht, dass alle Menschen schön sein sollen, aber ich leide persönlich sehr darunter, wenn ich mal wieder zu dick geworden bin. Manche Menschen können ja essen, was sie wollen und bleiben dürr, was ich sehr bewundere. Ich muss aber, um einigermaßen schlank zu sein, so dass die Kleidung gut sitzt, mich extrem abmühen und viel Sport treiben. Vor ein paar Monaten war es einmal wieder so weit, dass ich viel zu dick war und dann habe ich jetzt kurzen Prozess gemacht und habe drei Monate lang jeden Tag sehr intensiv im Fitness Studio trainiert. Ich finde das aber auch witzig.

 

 

Lana Del Rey. Großartige Platte, geniales Image, genau mein Ding, da ich ja hoffnungsloser Sentimentalist bin. Echt wahr!

Aber leider sind ihre Hände sehr sehr hässlich, und das finde ich nicht gut, da ich bei einer Frau (aber auch beim Mann letztlich) nichts wichtiger finde als schöne Hände.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.